Matten Vogel

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Biography

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Jahr / year

Tagesspiegel vom 18. März 2017
MEHR BERLIN
Multiple
Offsetdruck 57 x 40 cm
Auflage: 112.298 Exemplare
teilweise nummeriert und signiert


Farbenlehre
Matten Vogel macht das Künstler-Dasein zum Thema, sein abstraktes Bild ist ein monumentaler Jahreskalender, der aktuell bis zum 17.3.2017 reicht. Vollständig wird das Werk erst Ende des Jahres sein. Die farbigen Felder markieren Vogels Aufenthalt im Atelier, weiße Flächen stehen für andere Tätigkeiten. Zusammen zeichnen sie seinen Alltag nach: Wann hat er Zeit für die Kunst? Und wann arbeitet er, um sich diese Zeit leisten zu können? Vogel formuliert damit ein Dilemma, das weit über seine persönliche Biografie hinausreicht: Von der eigenen Kunst zu leben, ist ein Privileg weniger. Für die meisten gilt der ewige Balanceakt. Das thematisiert Vogel in seiner doppelbödigen Arbeit. Wer sie erwirbt, hängt sich das Protokoll ihrer Entstehung mit an die Wand.

Christiane Meixner
Tagesspiegel vom 18. März 2017 - MEHR BERLIN -



Theory of color
Matten Vogel takes as his topic the artist?s life; his abstract picture is a monumental calendar for 2017, which currently extends as far as 17.3.2017. The work will not be complete until the end of the year. The colored fields indicate the time Vogel spent in his studio, the white spaces stand for other activities. Together they trace his everyday routine: When does he have time for art? And when does he work, so that he can afford this time? Vogel?s calendar addresses a dilemma that extends far beyond his personal biography: Only few people are privileged enough to making a living from their art. Most are involved in a constant balancing act. Vogel addresses this conundrum in his ambiguous work. Whoever buys it, also hangs up on the wall the record of how it came about.

Christiane Meixner
Tagesspiegel vom 18. März 2017 - MEHR BERLIN -

 

2016 Jahr / year, 2016 - 2017
Öl auf Leinwand, oil on canvas
115 x 160 cm

 


2015 Jahr / year, 2015 - 2016
Öl auf Leinwand, oil on canvas
115 x 160 cm

 

 

Lebenszeit

Bilder von Matten Vogel

Das Leben ist ein Blick, eine Stunde, ein Tag, eine Woche, ein Monat, eine Jahreszeit. Erlebt, gehetzt, Zeit gehabt, viel zutun gehabt, sich gut gefühlt, sich nicht gefühlt, allein gewesen, nicht allein gewesen, verzweifelt und hoffnungslos gewesen, euphorisch oder zufrieden gewesen, sich einsam gefühlt oder gut aufgehoben. Alles möglich. Es verstreicht und wird Erinnerung, löst sich auf und wird zur Wolke neben anderen Wolken, die weiterziehen.

Oder zu schwarzen Punkten. Jede Woche ein Bild mit Punkten, ein Wochenbild. Das Wochengeschehen formt. Passiert etwas, führt es zu Unterbrechungen - wie lange, in welcher Form - danach moduliert sich das Punktegefüge, immer anders, es entstehen Aussparungen oder Verdichtungen, die immer neue Muster abbilden. Woche für Woche. Ein Minimal-Tagebuch. (seit 2013 bis jetzt)

Oder ganze Jahre bilden sich auf einer Fläche ab, pro Tag ein Feld, die Felder auf weißem Grund sind ausgefüllt oder nicht, verschiedenfarbig, jeder Monat hat seine Farbe. Aus der Fernsicht ein digitales Modell, ja, nein, Eins, Null, farblich festgelegte, nebulöse Kategorien, aber in der Nahsicht zeigt das einzelne Fenster Malerei, Pinselstriche, zu Oberflächen gewordene Gesten. Überraschend: manche Felder sind mehrfach übermalt, Leben in Farbschichten, da sitzt ein ganzes Bild in einem kleinen Feld, neben anderen Feldern, die vergessen zu sein scheinen. (2015 und 2016, naturgemäß unvollendet, weil das Jahr noch nicht vorbei ist)

Das Leben entscheidet über die Flächenverteilung. Was für ein Jahr war es für dich, Matten? Und: was für ein Jahr war es für mich?

Das Leben durch die Brille dieses künstlerischen Temperamentes: diskret. Sanft. Stetig. Und aufrichtig, weil man nämlich am Gestern nichts übermalen kann und wenn man es doch tut, ist es nicht mehr wahr.

Giti Nourbakhsch

 

Installation view, 25.11.2016

Matten Vogel arbeitet an 2016 Jahr
Matten Vogel working on 2016 year

 

Installation view, 31.12.2016

 

Life Time – Paintings by Matten Vogel

Life is a glimpse, an hour, a day, a week, a month, a time of year. Experienced, rushed, plenty of time, a lot to do, felt good, didn’t feel good, alone, not alone, desperate and beyond hope, euphoric or contented, felt lonely or in good hands. All things imaginable. Time elapsing and becoming memory, dissolving and becoming a cloud along with other clouds – moving on.

Or into black dots. Every week a picture with dots, an image of the week. The weekly events taking shape. Something happens, causes interruptions – how long and in which form –afterwards, the patterns of dots modulate, changing constantly, gaps and/or moments of concentration arise, creating ever new patterns. Week by week. A minimal diary. (From 2013 to the present.)

Or entire years emerge on a flat surface, a field a day, the fields on a white background are filled in or not: a variety of colors, each month with a color of its own. Seen from afar, a digital model emerges: yes, no, one, zero, fixed colors, nebulous categories, and – seen up close – one window shows a painting, brush strokes, gestures turning into surfaces. Surprisingly, some fields have been painted over repeatedly: life in layers of color, a complete painting sitting there in a small field alongside other fields now seemingly forgotten. (2015 and 2016, naturally unfinished, because the year is not over yet.) It’s life that decides the distribution of the surfaces. What kind of year was it for you, Matten? And: what kind of year was it for me?

Life seen through the glasses of this artistic temperament: discreet. Tender. Consistent. And upright, because you can’t paint over yesterday – and if you do, it is no longer true.

Giti Nourbakhsch