Matten Vogel

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Aus dem Farblabor – Matten Vogels‘ Daily Drippings

In Matten Vogels konzeptueller Arbeit manifestiert sich die Befragung des zeitgenössischen Malereibegriffes. Die Vokabeln seiner Ausdrucksformen bilden dabei immer die grundlegenden Parameter der eigenen Künstlerexistenz: sein Arbeitsrhythmus, seine Lebensgewohnheiten, wiederkehrende Handlungen des Künstlers über einen langen Zeitraum hinweg - Tag für Tag, Woche für Woche, Jahr für Jahr.
Seit Ende 2016 arbeitet Matten Vogel an der Serie „Daily Drippings“: Jeweils auf weißen Holzfaserplatten verschiedener Größen, oft im Querformat, inzwischen aber auch in weit ungewöhnlicheren Formaten wie Tondo und Raute, unterteilt er die Bildfläche zunächst durch akkurate, senkrechte und waagrechte Bleistift- bzw. dünne Farblinien in viele Einzelfelder. Danach versieht Vogel pro Kalendertag ein einzelnes Feld oder einen Kreuzungspunkt mit Farbe: Mit Hilfe einer Pipette träufelt er dazu jeweils entweder einzelne oder mehrere Tropfen einer gleichen Farbe auf. Nach dem Auftrag versieht er die betreffende Stelle mit Bleistift mit dem aktuellen Datum. Mehrere Bilder werden so parallel zueinander bearbeitet - ist eines fertiggestellt, beginnt der Künstler direkt im Anschluss mit einem neuen. Soweit das systematisierte, vom Künstler gesteuerte, Vorgehen.
Weitaus größere Überraschungen und Spielräume bildlicher Ausprägungen lassen sich hingegen mit Blick auf die Farbe selbst feststellen. Vogel träufelt nicht nur Farbe in unterschiedlichen Farbtönen auf, sondern auch unterschiedliche Farbmaterialien, von Aquarell-, bis Deckfarben und Lacken, die wahlweise von wässrig bis gesättigt unterschiedlich intensiv abgemischt sind. Je nach Beschaffenheit des Farbmaterials verhält sich dieses folglich von verschieden bis eigenartig auf der Trägerfläche: Zumal verbleibt ein Klecks erhaben, pastos und deckend in seiner Form kreisrund und innerhalb klarer Konturen – an anderer Stelle verläuft er wässrig und transparent in ausschweifend unregelmäßigen Formen, die durchaus Assoziationen an den Anblick von wuchernden Bakterienkolonien in Petrischalen provozieren, weit über ihre ursprünglichen Versuchsfelder hinaus und bahnen sich Wege quer über die Bildfläche bis über andere Drips hinweg. Die eigentlichen Bilddetails, so erstaunlich sie sind, generieren sich also aus den grundlegenden Bestandteilen ihrer selbst: Aus der Farbe und ihrer Verwendung in Zusammenwirken mit dem Bildträger. Die Verteilung oder Konzentration ist folglich nicht mehr ausschließlich vom Künstler, sondern graduell vom Zufall gesteuert. Gerade die Wechselwirkung der eingesetzten Materialien ist form-, farb- und damit bildgebend.
Die Vermutung liegt nahe, dass genau diese Aspekte der Serie den Reiz für den Künstler darstellen: Der Überraschungsmoment, der sich aus dem fortwährenden Erforschen und Experimentieren mit Farbe eröffnet und schließlich auch das Akzeptieren jeglichen unvorhersehbaren Ergebnisses als festen Bildbestandteil. Dementsprechend entscheidet der Künstler auch darüber, welche Farbe zu welchem Zeitpunkt und in welcher Intensität aufgetragen wird, relativ spontan.
So wie sich also auch Arbeiten anderer Werkserien des Künstlers erst im Verlauf eines bestimmten Entstehungsprozesses entwickeln, weil sich das künstlerische Arbeiten auch wortwörtlich werkimmanent ausprägt, sind auch die „Drip-Paintings“ grundsätzlich prozessual angelegt und während des Entstehungsprozesses meist über mehrere Wochen hinweg dezidiert ergebnisoffen.
Matten Vogels Herangehensweise erinnert beinahe an wissenschaftliche Methoden in biochemischen Laboren, an Reagenzfelder und Teststreifen, die etwa eine bestimmte Substanz durch einen entsprechenden Farbumschlag nachweisen. Vogel schafft Bedingungen für ästhetische Experimente. Das sichtbare Ergebnis dieser Arbeiten aber entstammt gerade nicht dem Versuch die Wirklichkeit abzubilden, sondern ist allein Resultat ihrer prozessualen Entstehung und dem Zusammenwirken von Malmitteln und Zeit.
Die Experimentierfreudigkeit des Künstlers scheint sich durch die Serie „Daily Drippings“ geradezu zu potenzieren – und vielleicht gerade deshalb einen neuerlichen Drang nach künstlerischer Intervention zu beleben. So wird ein wiederum neues Moment in Matten Vogels jüngsten Arbeiten plausibel: mitunter werden darin bestimmte Felder wieder bis an ihre zuvor definierten Grenzen hin mit Farbe neu ausgegossen oder vorherige Drips bisweilen überdeckt. Das könnte einerseits dem Auskreuzen eines missglückten Versuchs gleichkommen – oder aber andererseits einen Hinweis darauf geben, dass die Zufälligkeit, die Souveränität des Bildereignisses, die sich in den Bildern zu manifestieren scheinen, vielmehr einer vermeintlichen Autonomie gleicht.
Matten Vogels Bildexperimente sind so auch niemals zu lösen von den Bedingungen und dem Kontext ihrer Entstehung und letztlich seiner Künstlerpersönlichkeit. Als Essenz seiner künstlerischen Setzungen stellen die „Daily Drippings“ eine konsequente Weiterentwicklung eines künstlerischen Schaffens dar, das auch übergeordnete Fragen nach dessen Bedeutung und Legitimierung im 21. Jahrhundert stellt.

Eveline Weber

 

daily dripping # 101, 2018
Aquarell, Deckfarben, Lacke und Öl auf Holzfaserplatte
50 x 40 cm

 

daily dripping # 98, 2018
Aquarell, Deckfarben, Lacke und Öl auf Holzfaserplatte
50 x 40 cm

 

daily dripping # 95, 2018
Aquarell, Deckfarben, Lacke und Öl auf Holzfaserplatte
70 x 72 cm

 

daily dripping # 93, 2018
Aquarell, Deckfarben, Lacke und Öl auf Holzfaserplatte
55 x 58 cm

 

daily dripping # 91, 2018
Aquarell, Deckfarben, Lacke und Öl auf Holzfaserplatte
80 x 80 cm

 

daily dripping # 90, 2018
Aquarell, Deckfarben, Lacke und Öl auf Holzfaserplatte
60 cm Durchmesser

 

From the color laboratory – Matten Vogel’s Daily Drippings

Matten Vogel’s conceptual work manifests his questioning of the contemporary concept of painting. In doing so, he relies on the basic parameters of his own existence as an artist – his work rhythm, his living habits, recurrent actions he carries out over a long period of time – employing these as the vocabulary to his different modes of expression.
He has been working on his “Daily Drippings” series since late 2016: Working on white wooden fiberboard of different sizes, he partitions the pictorial surface into individual precise vertical and horizontal fields through pencil or colored lines. On each calendar day, Vogel then applies paint to a single field or intersection point: Using a pipette, he drips either one or several drops of the same color of paint onto the surface. Following this, he marks the spot in question with the current date. Up to this point, the artist works in a highly systematic and controlled way.
In the same way, his other work series only develop over the course of their particular process of creation because the artistic work mode quite literally takes shape within the piece, his “Drip Paintings” are also fundamentally processual in character and remain decidedly open in terms of their final result throughout the creative process, which can last several weeks.
Matten Vogel’s approach is almost reminiscent of scientific methods in biochemical laboratories which use indicative fields and test strips in order, for example, to establish whether a particular substance is present or not through a change in color. Vogel creates the conditions for aesthetic experiments. However, the visual results of this work precisely do not stem from an attempt at illustrating reality; they are purely the result of its own processual development through the coaction of painting media and time.
The artist’s love of experimentation seems to become downright exponential in the “Daily Drippings” series – and maybe this is precisely why it is quickening a renewed drive for artistic intervention. A new aspect to Matten Vogel’s newest works then makes a great deal of sense, too: At times, certain fields are filled with color anew up to their pre-defined boundaries, and previous Drips are covered up in this way. This could appear like a scrubbing out of an unsuccessful attempt – or indeed point to the truth that the perceived sovereignty of the visual event seemingly manifesting itself in his paintings is in fact not an autonomous occurrence, after all.

Eveline Weber

 

 

daily dripping # 84, 2018
Aquarell, Deckfarben, Lacke und Öl auf Holzfaserplatte
60 x 50 cm

 

daily dripping # 83, 2018
Aquarell, Deckfarben, Lacke und Öl auf Holzfaserplatte
60 x 50 cm

 

daily dripping # 82, 2018
Aquarell, Deckfarben, Lacke und Öl auf Holzfaserplatte
80 x 80 cm

 

daily dripping # 79, 2018
Aquarell, Deckfarben, Lacke und Öl auf Holzfaserplatte
60 x 60 cm, senkrechte Achse 85 cm

 

daily dripping # 78, 2018
Aquarell, Deckfarben, Lacke und Öl auf Holzfaserplatte
50 x 40 cm

 

daily dripping # 76 kybernetisch, 2018
Aquarell, Deckfarben, Lacke und Öl auf Holzfaserplatte
Motor
50 cm Durchmesser

 

daily dripping # 74, 2018
Aquarell, Deckfarben, Lacke und Öl auf Holzfaserplatte
50 x 40 cm

 

daily dripping # 70, 2018
Aquarell, Deckfarben und Lacke auf Holzfaserplatte
24 x 30 cm

 

daily dripping # 69, 2018
Aquarell, Deckfarben, Lacke und Öl auf Holzfaserplatte
36 x 36 cm, senkrechte Achse 50 cm

 

daily dripping # 68, 2018
Aquarell, Deckfarben und Lacke auf Holzfaserplatte
24 x 30 cm

 

daily dripping # 66, 2018
Aquarell, Deckfarben und Lacke auf Holzfaserplatte
50 x 40 cm

 

daily dripping # 62, 2018
Aquarell, Deckfarben, Lacke und Öl auf Holzfaserplatte
40 x 50 cm

 

daily dripping # 61, 2017
Aquarell, Deckfarben und Lacke auf Holzfaserplatte
40 x 50 cm

 

daily dripping # 60, 2017/18
Aquarell, Deckfarben und Lacke auf Holzfaserplatte
80 x 100 cm

 

daily dripping # 58, 2017
Aquarell, Deckfarben und Lacke auf Holzfaserplatte
40 x 50 cm

 

daily dripping # 57, 2017/18
Aquarell, Deckfarben, Lacke und Öl auf Holzfaserplatte
80 x 100 cm

 

daily dripping # 54, 2018
Aquarell, Deckfarben, Lacke und Öl auf Holzfaserplatte
100 x 125 cm

 

daily dripping # 51, 2017
Aquarell, Deckfarben, Lacke und Öl auf Holzfaserplatte
80 x 100 cm

 

daily dripping # 48, 2017
Aquarell, Deckfarben, Lacke und Öl auf Holzfaserplatte
40 x 50 cm

 

daily dripping # 47, 2017
Aquarell, Deckfarben und Lacke auf Holzfaserplatte
40 x 50 cm

 

daily dripping # 46, 2017
Aquarell, Deckfarben und Lacke auf Holzfaserplatte
40 x 50 cm

 

daily dripping # 42, 2017
Aquarell, Deckfarben, Lacke und Öl auf Holzfaserplatte
40 x 50 cm

 

daily dripping # 39, 2017
Aquarell, Deckfarben, Lacke und Öl auf Holzfaserplatte
40 x 50 cm

 

daily dripping # 38, 2017
Aquarell, Deckfarben, Lacke und Öl auf Holzfaserplatte
40 x 50 cm

 

daily dripping # 37, 2017
Aquarell, Deckfarben, Lacke und Öl auf Holzfaserplatte
40 x 50 cm

 

daily dripping # 36, 2017
Aquarell, Deckfarben, Lacke und Öl auf Holzfaserplatte
40 x 50 cm

 

daily dripping # 33, 2017
Aquarell, Deckfarben und Lacke auf Holzfaserplatte
40 x 50 cm

 

daily dripping # 28, 2017
Aquarell, Deckfarben, Lacke und Öl auf Holzfaserplatte
40 x 50 cm

 

daily dripping # 27, 2017
Aquarell, Deckfarben und Lacke auf Holzfaserplatte
30 x 40 cm

 

daily dripping # 25, 2017
Aquarell, Deckfarben und Lacke auf Holzfaserplatte
40 x 50 cm

 

daily dripping # 17, 2017
Aquarell, Deckfarben und Lacke auf Holzfaserplatte
24 x 30 cm

 

daily dripping # 16, 2017
Aquarell, Deckfarben und Lacke auf Holzfaserplatte
40 x 50 cm

 

daily dripping # 14, 2017
Aquarell, Deckfarben und Lacke auf Holzfaserplatte
24 x 30 cm

 

daily dripping # 13, 2017
Aquarell, Deckfarben und Lacke auf Holzfaserplatte
30 x 40 cm

 

daily dripping # 11, 2017
Aquarell, Deckfarben und Lacke auf Holzfaserplatte
30 x 40 cm

 

daily dripping # 8, 2017
Aquarell, Deckfarben und Lacke auf Holzfaserplatte
24 x 30 cm

 

daily dripping # 6, 2016
Aquarell, Deckfarben und Lacke auf Holzfaserplatte
40 x 50 cm

 

daily dripping # 5, 2016
Aquarell, Deckfarben und Lacke auf Holzfaserplatte
40 x 50 cm

 

daily dripping # 4, 2016
Aquarell, Deckfarben und Lacke auf Holzfaserplatte
40 x 50 cm

 

daily dripping # 3, 2016
Aquarell, Deckfarben und Lacke auf Holzfaserplatte
24 x 30 cm